Gemeinsam mit Schulen die Zukunft des Lernens gestalten

von Fatljume Halili - 26 Mai 2026
Two people smiling in an office with a laptop, standing in front of a wall displaying "Lehrmittel Verlag Zürich" and "LMVZ" logo.

Wie entwickelt man Lehrmittel in Zeiten von KI und digitalem Wandel sinnvoll weiter? Unsere Mitarbeitenden Verena Rohrer und Marco Soldati arbeiten gemeinsam mit Schulen, Lehrpersonen und Fachpersonen daran, neue Technologien praxisnah, didaktisch fundiert und mit Blick auf einen echten Mehrwert weiterzudenken.

Der digitale Wandel verändert die Bildungslandschaft rasant. Neue Technologien wie künstliche Intelligenz werfen dabei nicht nur technische, sondern auch didaktische Fragen auf: Wo kann KI im Unterricht sinnvoll unterstützen und einen echten Mehrwert generieren? Welche Kompetenzen brauchen Schülerinnen und Schüler und Lehrpersonen heute? Und wie sieht die Zukunft von Lehrmitteln aus?

Solche Fragen beschäftigen Verena Rohrer, Projektleiterin Digitale Produktentwicklung, und Marco Soldati, Projektleiter Digitaler Wandel, Innovation und KI beim Lehrmittelverlag Zürich. Sie arbeiten an der Schnittstelle zwischen Schulfeld, Didaktik und Technologie mit dem Ziel, Lehrmittel praxisnah weiterzuentwickeln und Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schülern die beste Unterstützung für ihren Schulalltag zu bieten.

Zwei Personen, die in den Laptop reinschauen und lächeln.
Gemeinsam an der Zukunft des Lernens: Verena Roher (rechts) und Marco Soldati (links) verbinden digitale Innovation, didaktisches Denken und den engen Austausch mit Schulen und Lehrpersonen. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Frage, wie digitale Technologien sinnvoll in Lehrmittel eingebettet werden können, so dass für den Unterricht ein echter Mehrwert entsteht.

Zwischen Schulpraxis und Technologie 

Verena und Marco besuchen regelmässig Schulen und tauschen sich mit Lehrpersonen aus. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Frage, wie digitale Technologien sinnvoll in Lehrmittel eingebettet werden können, so dass für den Unterricht ein Mehrwert entsteht – sowohl für Schülerinnen und Schüler als auch für die Lehrpersonen.

«Uns interessiert immer die Frage: Was brauchen Schülerinnen und Schüler und Lehrpersonen tatsächlich im Schulalltag und wo können digitale Angebote wirklich unterstützen?», sagt Verena.

Eine wichtige Rolle spielen dabei die sogenannten «LabKlassen», ein Netzwerk von rund 80 Lehrpersonen mit ihren Klassen, die Rückmeldungen zu digitalen Entwicklungen und Lehrmitteln geben. Ergänzt wird dieser Austausch durch Partnerschulen und konkrete Erprobungen im Unterricht.

LabKlassen

Mit unserem Projekt «LabKlasse» wollen wir besser verstehen, was Lehrpersonen und Lernende im digitalen Bereich von Lehrmitteln benötigen. Wir arbeiten mit engagierten Lehrpersonen zusammen, die wir jeweils für einzelne Projekte anfragen. Lehrpersonen entscheiden flexibel, welche Projekte sie interessieren und an welchen sie teilnehmen wollen.

Partnerschulen

Schulleiterinnen und Schulleiter können bei der Neu- und Weiterentwicklung von Lehrmitteln, Services und LMVZ digital mitwirken. Um zu erfahren, was Schulleitungen, Lehrpersonen, ICT-Verantwortliche und Administrierende benötigen, um ihren Berufsauftrag noch besser umsetzen zu können, setzt der LMVZ auf einen konstanten Austausch mit Partnerschulen.

Für Marco entsteht ein gutes Lehrmittel dort, wo drei Bereiche zusammenspielen: Schulpraxis, Didaktik/Wissenschaft und Technologie. Dabei betont er, dass sich die Grundprozesse des Lernens nicht verändert haben, «aber die Werkzeuge und Methoden schon. Wir unterstützen die Lehrpersonen und Schulen dabei, damit sie ihre Schülerinnen und Schüler in dieser Transformation noch besser begleiten können.»

Dreick, das zeugt, dass die Lehrmittel im Zentrum sind.

Was KI mit dem Taschenrechner gemeinsam hat 

Die Diskussion rund um KI in der Schule und in Lehrmitteln erinnert in vielerlei Hinsicht an vergangene Auseinandersetzungen zum Thema Bildungstechnologien. Beispielsweise habe man, laut Marco, vor knapp 40 Jahren eine ähnliche Debatte geführt, als der Taschenrechner im Mathematik-Unterricht eingeführt wurde. Auch damals stellte sich die Frage, welche Grundlagen Schülerinnen und Schüler weiterhin beherrschen müssen und welche Aufgaben technische Hilfsmittel übernehmen können.

Ein offener Laptop, man sieht die Hände eines Jugendlichen auf der Tastatur.
Analoge und digitale Lernformen sollen sich ergänzen und dort eingesetzt werden, wo sie didaktisch sinnvoll sind.

Für Verena und Marco ist klar: Lesen, Schreiben, Rechnen und das Verstehen von Zusammenhängen bleiben zentral; diese Kompetenzen müssen alle Schülerinnen und Schüler beherrschen, auch wenn KI bei gewissen Aufgaben unterstützen und bestenfalls den Lernprozess optimal ergänzen kann. Entscheidend sei deshalb nicht die Frage, ob KI eingesetzt werde, sondern wo die Nutzung einen Mehrwert für den Unterricht und fürs Lernen generieren könne. 

Dabei gehe es nicht darum, möglichst alles zu digitalisieren. Analoge und digitale Lernformen sollen sich ergänzen und dort eingesetzt werden, wo sie didaktisch sinnvoll sind. Beispielsweise kann es sinnvoll sein, spezialisierte KI-Anwendungen anzubieten, mit welchen Schülerinnen und Schüler in ihrem Tempo Inhalte erlernen und bei Bedarf weitere Hilfsmittel oder die Lehrperson hinzuziehen können. KI ist dann ein wichtiges Werkzeug, die pädagogische Verantwortung sowie die didaktische Begleitung bleibt jedoch bei der Lehrperson.  

Qualität und Praxistauglichkeit sind zentral  

Auch wenn KI viele neue Möglichkeiten eröffnet, verfolgt der LMVZ einen durchdachten und verantwortungsvollen Umgang mit der Technologie. Qualität der Lehrmittel und ihre Praxistauglichkeit stehen dabei im Vordergrund. «Digitale Funktionen müssen Lehrpersonen entlasten und dürfen nicht zusätzlichen Aufwand schaffen», sagt Verena Rohrer. Hinzu kommen Herausforderungen wie Datenschutz, Kosten oder die Fehleranfälligkeit von KI-Systemen. Lehrmittel müssten verlässlich funktionieren und dürften keine falschen Inhalte vermitteln. Deshalb würden neue Ansätze gemeinsam mit Schulen getestet und sorgfältig geprüft.

Gleichzeitig verändert sich mit dem technologischen Wandel auch die Bedeutung gewisser Kompetenzen. Neben Fachwissen gewinnen der kritische Umgang mit Informationen und der reflektierte Einsatz digitaler Werkzeuge zunehmend an Bedeutung. Schülerinnen und Schüler sollen lernen, digitale Technologien verantwortungsvoll zu nutzen und Informationen einordnen zu können. Wie solche Kompetenzen konkret gefördert werden können, zeigt beispielsweise die Lehrmittelreihe «connected». Mit handlungsorientierten Aufgaben lernen Schülerinnen und Schüler, digitale Technologien kritisch zu hinterfragen und verantwortungsvoll einzusetzen.

Ein Kind, nur angeschnitten und verschwommen zu sehen, hält ein offenes Lernheft auf seinen Knien.
Mit «connected» lernen Schülerinnen und Schüler, digitale Technologien kritisch zu hinterfragen und verantwortungsvoll zu nutzen.

Die Zukunft bleibt hybrid 

Verena und Marco sind sich einig: Die Zukunft der Lehrmittel wird weder rein digital noch rein analog sein. Analoge Elemente behalten weiterhin ihren Stellenwert, digitale Angebote können hingegen beim Üben, Visualisieren oder Individualisieren der Lerninhalte unterstützen. Künstliche Intelligenz werde künftig punktuell dort eingesetzt, wo sie einen echten Mehrwert bietet. Gleichzeitig bleiben die sorgfältige Entwicklung und Erprobung von Lehrmitteln zentral

Besonders positiv überrascht sind Verena und Marco vom grossen Engagement vieler Lehrpersonen. «Wir erleben sehr viele motivierte Lehrpersonen, die sich aktiv einbringen und Lehrmittel mitgestalten wollen», sagt Verena. «Diese Zusammenarbeit ist enorm wertvoll, denn sowohl durch die Inputs der Lehrpersonen als auch Erprobung der Lerninhalte im Schulalltag können wir Lehrmittel entwickeln, die eine hohe Qualität haben.» 

Hybrides Lernen

Die 37. Ausgabe des Magazins «Einblick» geht der Frage nach, wie sich die Stärken des analogen und digitalen Lernens verbinden lassen. Interviews, Reportagen und Einblicke in unsere Lehrmittel beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven.


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