Sechs Vorteile von hybriden Lehrmitteln

von Karin Keller, Marion Münstermann - 20 April 2026
Drei Kinder, alle mit langen Haaren, sitzen am Boden und sind über Blätter und ein Tablett gebeugt.

Hybride Lehrmittel verbinden analoge und digitale Elemente so, dass beide ihre Stärken ausspielen können. Richtig eingesetzt ermöglichen sie differenzierten, flexiblen und zeitgemässen Unterricht. Sechs Vorteile zeigen, was in ihnen steckt.

Hybride Lehrmittel kombinieren gezielt analoge und digitale Anteile, sodass die Stärken beider Lernformen zum Tragen kommen. Die beiden Komponenten ergänzen sich dabei nicht bloss, sondern sind aufeinander angewiesen: Erst ihr Zusammenspiel ergibt das vollständige Lehrmittel. Wer nur mit dem Buch oder nur mit der digitalen Plattform arbeitet, schöpft das Potenzial nicht aus.

Darin unterscheiden sich hybride Lehrmittel von Print-Lehrmitteln mit zusätzlichen digitalen Materialien. Letztere funktionieren auch ohne App, Plattform oder Audiodateien – das Digitale erweitert und ergänzt das Analoge. Hybride Lehrmittel hingegen denken Inhalte, Aufgaben und Lernprozesse von Anfang an zusammen: analog und digital.

Ein offenes Arbeitsheft im Vordergrund auf einem Tisch, im Hintergrund verschwommen ein Kind am Laptop.
Das hybride Englischlehrmittel «Reach Out» erscheint zum Schuljahr 2028/29. Das Student’s Book hat digitale und gedruckte Anteile.

Für beide Formen gilt: Sie ermöglichen einen modernen Unterricht mit digitalen und analogen Elementen. Wie stark diese gewichtet werden, hängt von der Schulstufe, der Lernsituation und dem Thema ab. Didaktisch sinnvoll eingesetzt, bieten hybride Lehrmittel viele Vorteile.

Differenzierung und Individualisierung

Hybride Lehrmittel erleichtern die Differenzierung, weil Inhalte und Aufgaben digital auf verschiedenen Niveaus angeboten werden können, ohne dass Lehrpersonen zusätzliches Material erstellen müssen. Gerade in niveaugemischten Klassen können so alle am gleichen Thema arbeiten, jedoch mit unterschiedlich aufbereiteten Aufgaben.

Eine Gruppe von Kindern schaut auf eine Leindwand, wo ein Film gezeigt wird.
Der Bildschirm muss nicht immer klein sein: Auch auf Leinwand projiziert lassen sich digitale Inhalte einbinden.

Digitale Angebote erweitern den Spielraum: Wer schneller vorankommt, bearbeitet zusätzliche Aufgaben, wer mehr Zeit braucht, kann Inhalte wiederholen oder in kleineren Schritten üben. Im Sprachunterricht zeigt sich dieser Vorteil besonders deutlich, etwa wenn Audios oder Videos pausiert, mehrfach angehört oder in reduziertem Tempo abgespielt werden. Auch zur Standortbestimmung vor Prüfungen eignen sich digitale Angebote, um die individuelle Vorbereitung zu planen.

Selbstständig lernen und Feedback erhalten

Digitale Elemente geben den Lernenden unmittelbares Feedback. Sie sehen direkt, ob sie eine Aufgabe richtig gelöst haben, und können gezielt nachbessern.

Das ist besonders hilfreich bei Hausaufgaben, beim Üben und in der Prüfungsvorbereitung, weil Schülerinnen und Schüler ihren Lernstand laufend überprüfen und gezielt an Unsicherheiten arbeiten können. Sie sind dadurch weniger darauf angewiesen, dass jede Aufgabe von der Lehrperson kontrolliert wird.

Zwei Kinder beugen sich über ein Tablet, sie sind nur von hinten zu sehen.
Das Tablet ist im Schulzimmer ein selbstverständlicher Teil des Unterrichts geworden. Gezielt eingesetzt, bereichert es die Lektionen.

Das entlastet den Unterrichtsalltag und fördert zugleich die Selbstständigkeit. Viele Kinder und Jugendliche empfinden es als motivierend, Aufgaben eigenständig am Notebook zu bearbeiten und sich selbst kontrollieren zu dürfen. Zudem entwickeln sie ein besseres Gefühl für ihren eigenen Lernstand.

21st-Century-Skills und die digitale Welt

Hybride Lehrmittel fördern Kompetenzen, die in einer digitalen Welt unverzichtbar sind. Dazu zählen der Umgang mit digitalen Tools, das kritische Bewerten von Informationen und das selbstorganisierte Lernen. Wenn digitale Anwendungen sinnvoll in den Unterricht eingebunden sind, lernen Schülerinnen und Schüler nicht nur fachliche Inhalte, sondern auch, wie sie Medien reflektiert nutzen.

Ein offener Laptop, man sieht die Hände eines Jugendlichen auf der Tastatur.
Das neue Englischlehrmittel «Reach Out» für die Sekundarstufe I wird gerade erprobt. Es gilt auch, das optimale Zusammenspiel von Print und Digital zu eruieren.

Zudem können Lernende mit digitalen Medien selbst etwas gestalten, etwa Audio- und Videoformate, Blogs, Wikis oder Quiz. Dieser produktive Umgang mit digitalen Medien fördert sprachliche Kompetenzen, die Fähigkeit, Probleme zu lösen, die Meinungsbildung und die Kreativität.

Abwechslung und vielseitige Aufgabenformate

Die Verbindung von analogen und digitalen Elementen erweitert die Möglichkeiten im Unterricht. Klassische Übungen im Heft lassen sich mit interaktiven Aufgaben, Audios oder Videos ergänzen. So kann ein Thema auf unterschiedliche Weise bearbeitet werden, etwa mit einem Lied zum Einstieg, einem Hörtext zwischendurch oder einem Video zur Vertiefung. Gerade im Sprachunterricht sind Audios hilfreich, um Aussprache und Schreibweise besser zu verstehen.

Ein Kind, nur angeschnitten und verschwommen zu sehen, hält ein offenes Lernheft auf seinen Knien.
«Logbuch 1–2» ist hybrid konzipiert. Auf dieser Schulstufe stehen die analogen Elemente im Vordergrund, das Digitale wird als punktuelle Anreicherung genutzt.

Der Wechsel zwischen verschiedenen Aufgabenformaten und Medien kann dazu beitragen, dass Schülerinnen und Schüler aufmerksam bleiben und dem Unterricht besser folgen können. Gleichzeitig eröffnen sich der Lehrperson mehr Möglichkeiten, Inhalte und Aufgaben aufzubereiten.

Lernformate und Lernsituationen

Nicht jede Lernsituation eignet sich gleich gut für digitale oder analoge Formate. Hybride Lehrmittel bieten hier die nötige Flexibilität: Je nach Lernziel und Unterrichtssituation kann das Format gewählt werden, das am besten passt.

Konzentriertes Lesen oder Schreiben findet oft besser analog statt, während sich digitale Tools besonders zum Üben, Wiederholen, Visualisieren oder für Aufgaben mit direktem Feedback eignen. So lassen sich je nach Situation sehr unterschiedliche Formen einsetzen: Quizformate zum Wortschatzlernen, Multiple-Choice-Aufgaben oder Videoclips, aber auch Brettspiele, Partnerdialoge oder Songs.

Zwei Kinder, ihre Gesichter abgeschnitten, arbeiten an einem Tisch, wo Schere, Bücher, Tablet und Arbeitsblätter zu sehen sind.
Leim, Schere, Papier und Tablet: Sowohl Materialien als auch Aufgaben sind vielfältig im modernen Unterricht.

Digitale Zusatzmaterialien unterstützen Lehrpersonen zudem dabei, den Unterricht zu gestalten, zu differenzieren und Lernstände zu beurteilen. Hybride Lehrmittel erleichtern es, je nach Situation das passende Format zu wählen und die Stärken digitaler und analoger Angebote gezielt zu nutzen, da sie didaktisch fundiert und praxisnah entwickelt wurden.

Stabilität bei Unterrichtsausfall und neue Lernmöglichkeiten

Hybride Lehrmittel machen den Unterricht widerstandsfähiger. Bei Ausfällen, Krankheit oder in aussergewöhnlichen Situationen kann der Unterricht einfacher digital weitergeführt werden.

Gleichzeitig eröffnen sie neue Möglichkeiten für selbstorganisiertes Lernen und Phasen des begleiteten Selbststudiums. Lernende bleiben arbeitsfähig – unabhängig davon, ob sie im Klassenzimmer oder zu Hause lernen.

Hybrides Lernen

Die 37. Ausgabe des Magazins «Einblick» geht der Frage nach, wie sich die Stärken des analogen und digitalen Lernens verbinden lassen. Interviews, Reportagen und Einblicke in unsere Lehrmittel beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven.

Lehrmittel

Mit «Join In» für den 2. Zyklus und «Reach Out» für den 3. Zyklus entsteht eine neu konzipierte Lehrmittelreihe für Englisch. Die Lehrmittel sind hybrid konzipiert und werden aktuell erprobt. «Join In» erscheint auf das Schuljahr 2027/28, «Reach Out» 2028/29.


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