Wie werden hybride Lehrmittel umgesetzt?

von Karin Keller - 29 Juni 2026
Ein offenes Heft und im Hintergrund ein Laptop und eine Person, von der man den Kopf nicht sieht.

Hybride Lehrmittel zeichnen sich dadurch aus, dass sie digitale und gedruckte Anteile zu einem durchdachten Ganzen verbinden. Damit dieses Zusammenspiel im Unterricht funktioniert, werden hybride Lehrmittel sorgfältig entwickelt und getestet. Dieser Beitrag zeigt, worauf es bei der Umsetzung ankommt.

Hybride Lehrmittel kombinieren digitale und analoge Anteile. Dabei ergänzen sich die beiden Komponenten nicht bloss, sondern sind miteinander verzahnt und aufeinander angewiesen. Je nach Lernziel und Lerninhalt werden gedruckte und digitale Anteile dort eingesetzt, wo sie didaktisch sinnvoll sind und den grössten Nutzen bringen.

Doch was braucht es, um ein hybrides Lehrmittel gut umzusetzen? Wo lauern Stolpersteine? Wie sorgt das Projektteam dafür, dass das Zusammenspiel zwischen analog und digital im Unterricht tatsächlich funktioniert?

Ein Blick hinter die Kulissen der Lehrmittelentwicklung gibt Antworten.

Wie aufwändig ist es, ein hybrides Lehrmittel zu entwickeln?

Ein Lehrmittel zu erstellen, braucht grundsätzlich viel Zeit, da es einem hohen Qualitätsanspruch genügen muss. Bei jedem Lehrmittel arbeitet ein interdisziplinäres Team mit und die Praxis wird von Anfang an einbezogen – etwa indem Lehrpersonen im Projektteam mitwirken oder das Lehrmittel vorab in Erprobungsklassen getestet wird.

  • Bei Printlehrmitteln mit digitalen Anteilen – wie beispielsweise die Lehrmittelreihe «Deutsch» – dient das Digitale vor allem dazu, Inhalte zu vertiefen und zu üben. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten Inhalte mithilfe von Heften und Büchern und nutzen die digitalen Elemente als Ergänzung. Entsprechend wurden die digitalen Anteile grösstenteils separat und oft erst nachträglich erstellt.

  • Bei hybriden Lehrmitteln wie «Join In» und «Reach Out» (beide Englisch) oder «Logbuch» hingegen erarbeiten die Schülerinnen und Schüler auch die Inhalte bisweilen digital – gedruckte und digitale Elemente übernehmen also gleichwertige Funktionen im Unterricht. Das bedeutet für die Umsetzung: Bei hybriden Lehrmitteln werden alle Lehrwerkteile – digital und Print – gleichzeitig entwickelt und hergestellt.

Ein Bildschirm eines Laptops mit Covers von Lehrmittelns.
Die neuen Englischlehrmittel «Join In» und «Reach Out» sowie «Logbuch» für Geschichte und Geografie haben einen hybriden Ansatz. Die Lehrmittelreihe «Deutsch» ist ein Beispiel für ein Printlehrmittel mit digitalen Anteilen, wobei «Deutsch Sieben bis Neun» auch als volldigitale Ausgabe vorliegt.

«Diese Gleichzeitigkeit ist eine grosse Herausforderung», sagt Florian Gelzer, der als Projektleiter sowohl «Logbuch» als auch «Join In» betreut. «Wir können uns nicht zuerst auf Print fokussieren und danach das Digitale angehen, sondern erarbeiten alles parallel. Wir haben ein Manuskript, über das wir uns alle beugen. Alle Umsetzungsfragen müssen wir gemeinsam lösen.»

«Wir können uns nicht zuerst auf Print fokussieren und danach das Digitale angehen, sondern erarbeiten alles parallel.»

Welche Schritte braucht es, um ein hybrides Lehrmittel umzusetzen?

Für die tägliche Arbeit bedeutet das: In allen Projektphasen ist viel Abstimmung im Team nötig. Diese Phasen sind grundsätzlich dieselben wie bei anderen Lehrmitteln auch: Konzept, Entwicklung, Erprobung, Überarbeitung und Produktion.

Speziell bei hybriden Lehrmitteln ist jedoch, dass das Team in jeder Phase die Eigenheiten von Print und Digital mitdenkt und überlegen muss, ob und wie die verschiedenen Inhalte funktionieren: Ist die Schrift sowohl am Bildschirm als auch auf Papier gut lesbar? Lässt sich ein Bild digital genauso gut nutzen wie in der Printversion? Eignet sich ein Thema besser für eine digitale oder eine analoge Aufgabe?

Ein Bildschirm eines Laptops zeigt eine Aufgabe aus Logbuch. Zu sehen ist eine Collage mit Tieren, Nahrungsmitteln, Menschen.
Einblick in das Lehrmittel «Logbuch 3–6»: Damit das finale Lehrmittel im Unterricht funktioniert, braucht es während der Entwicklung viel Abstimmung im Team.

Das Team Digitale Medien ist deshalb von Anfang an bei allen Schritten involviert. «Die Arbeit des Digi-Teams hat bei hybriden Lehrmitteln einen grösseren Stellenwert als bei anderen Lehrmitteln. Sie entwickeln mit und sind genauso nah am Lehrmittel dran wie der Rest des Teams», erklärt Florian Gelzer.

Welche Rolle spielen Usability und Medienkompetenz?

Damit der Wechsel zwischen gedruckten und digitalen Elementen gut gelingt, muss er möglichst intuitiv und einfach sein. Deshalb spielt Usability bei der Entwicklung hybrider Lehrmittel eine besonders wichtige Rolle. Mit dem Team Digitale Medien arbeiten Spezialisten für diesen Bereich am Lehrmittel mit, doch auch die anderen Teammitglieder haben ein Auge darauf.

Zwei Jugendliche sitzen am Laptop.
Der Wechsel zwischen den Medien soll intuitiv und einfach vonstatten gehen. Überlegungen zu Usability und Medienkompetenz sind deshalb im Entwicklungsprozess äusserst wichtig.

Wie Florian Gelzer ausführt, wird bei der Entwicklung und Umsetzung hybrider Lehrmittel auch die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt. Bei jüngeren Kindern sind die digitalen Anteile kleiner und anders aufgebaut, bei älteren Jahrgängen kann das Team eher von einer routinierten Anwendung digitaler Elemente und einer höheren Medienkompetenz ausgehen.

«Wir steuern das sehr bewusst: Wir entscheiden uns bei einem Thema etwa für eine längere digitale Strecke oder setzen bei einer Sequenz gezielt auf Print», erklärt Gelzer.

Wie merkt man, welche Inhalte digital oder gedruckt besser funktionieren?

Ausgangspunkt der Entwicklung sind immer das Thema und der Inhalt. Darauf basierend entscheidet das Projektteam, wie etwas umgesetzt wird – digital oder analog. Manchmal liegt die Entscheidung auf der Hand: Sobald ein Audio oder Video involviert ist, wird der Abschnitt ins Digitale verlegt.

Umgekehrt gibt es Fertigkeiten, die sich besonders für analoge Sequenzen eignen, zum Beispiel Zeichnen, Notizenmachen oder das Üben der Handschrift.

«Es ist nicht immer von Anfang an klar, ob wir etwas digital oder im Print umsetzen», so Florian Gelzer. «Wir diskutieren, probieren aus und sind innovativ. In der Erprobung werden unsere Entscheidungen getestet. Sie hilft uns, die optimale Lösung zu finden.»

Verschiedene Zettel und Hefter auf einem Tisch, dazu Hände sichtbar.
Analog oder digital? Wie eine Aufgabe oder ein Thema aufbereitet wird, wird im Projektteam diskutiert, ausgelotet und in der Erprobung geprüft.

Denkt man bereits bei der Planung an die Ausstattung an den Schulen?

«Unbedingt!», sagt Florian Gelzer. Während es in einigen Klassen eine Eins-zu-Eins-Ausstattung gibt, kommt in anderen auch mal ein digitales Gerät auf vier Kinder. Das ist je nach Ort und Jahrgang unterschiedlich. Deshalb wird bei der Planung und Umsetzung darauf geachtet, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man mit unterschiedlichen Ausstattungen mit dem Lehrmittel arbeiten kann.

«Wir bauen digitale Sequenzen so auf, dass man sie allein, in der Gruppe oder im Klassenverband lösen kann», führt Florian Gelzer aus. Beim hybriden Ansatz geht es nicht darum, dass die Kinder immer einzeln am Bildschirm sitzen.

Kinder vor einem Projektor.
Wie viele Personen sitzen am Gerät? Weil diese Frage nicht immer gleich beantwortet werden kann, sind die Aufgaben so gestaltet, dass man sie alleine oder gemeinsam lösen kann.

Wie fliessen die Rückmeldungen aus der Erprobung ins Lehrmittel ein?

Speziell beim Englischlehrmittel ist die integrale Erprobung: Ganze Schulklassen arbeiten teilweise über mehrere Jahrgänge hinweg mit einer Erprobungsversion des Lehrmittels. Das ist jedoch nicht dem hybriden Konzept geschuldet, sondern dem Fach Englisch. Im Fremdsprachenunterricht ist ein Wechsel zwischen Lehrmitteln schwierig. Bei «Logbuch» ist die Erprobung weniger aufwändig, aber ebenso wichtig.

«In der Erprobung werden unsere Entscheidungen getestet. Sie hilft uns, die optimale Lösung zu finden. »

Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schüler beurteilen das Lehrmittel in ausführlichen Fragebögen. Zusätzlich gibt es regelmässige Austauschtreffen und Workshops mit dem Projektteam und den Erprobungslehrpersonen. «Dieser persönliche Austausch ist sehr wichtig und gibt uns wertvolle Inputs für die Verbesserung unserer Lehrmittel», sagt Florian Gelzer.

Eine Schulklasse von hinten fotografiert, die Lehrperson an der Wandtafel.
«Reach Out» auf dem Prüfstand. Eine Sekundarklasse erprobt das Lehrmittel und macht Erfahrungen mit dem Wechsel zwischen digitalen und analogen Elementen.

Lehrmittelreihe Englisch

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Mit «Join In» für den 2. Zyklus und «Reach Out» für den 3. Zyklus entsteht eine neu konzipierte Lehrmittelreihe für das Fach Englisch. Die Lehrmittel sind hybrid konzipiert und werden aktuell erprobt. Sie erscheinen gestaffelt für den Einsatz ab dem Schuljahr 2027/28.


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