
Digitale Elemente sind längst fester Bestandteil des Unterrichts und bereichern das Lernen auf vielfältige Weise. Gleichzeitig behalten analoge Lernsituationen ihre besonderen Stärken. Wir zeigen, wann analoges Lernen besonders wertvoll ist.
Es gehört längst zum Standard, dass in Schulen mit digitalen Elementen und Hilfsmitteln gearbeitet wird. Computer, Tablets, Audio, Video – sie gehören ebenso zum Unterricht dazu wie Bücher, Hefte und Stifte. Die Frage, ob lernen digital oder analog vonstatten gehen soll, greift deshalb zu kurz. Vielmehr geht es darum, jene Form zu wählen, die das Lernziel am besten unterstützt.
Barbara Getto, Professorin für Medienbildung an der PH Zürich, hat uns im Magazin «Einblick» dazu Rede und Antwort gestanden. Sie weist darauf hin, dass es für Lehrpersonen entscheidend sei, analoge und digitale Elemente bewusst zu wählen und zu kombinieren. Zudem sollten Lernende verstehen können, warum ein bestimmtes Medium gewählt wird.

Die Arbeit und das Lernen mit verschiedenen Medien, auch digitalen, gehört heute zu den zentralen Kompetenzen, die sich Kinder aneignen. Sie werden in eine digitale Welt hineingeboren, und müssen lernen, wie man sich Wissen aneignet und an Informationen kommt. Das geht nicht ohne den Einbezug des Digitalen. In diesem Sinne ist Medienkompetenz integraler Teil der Bildung.
Die Wichtigkeit des Digitalen schmälert jedoch nicht die Relevanz des Analogen. Denn das analoge Lernen hat zahlreiche Vorteile und Stärken. Dazu gehören insbesondere das vertiefte Lesen, das Erlernen der Handschrift und das haptische Lernen, so Barbara Getto.
Vor allem jüngere Schülerinnen und Schüler profitieren von analogen Arbeitsformen: Hefte, Arbeitsblätter, Karteikarten, Poster und Ähnliches unterstützen ihre Selbstorganisation. Generell gilt: Je jünger die Lernenden sind, desto grösser ist oft der Mehrwert des analogen Lernens, weil grundlegende Kompetenzen erst aufgebaut und wichtige Erfahrungen gesammelt werden müssen. In dieser Altersstufe spielt auch das spielerische Lernen eine grosse Rolle, unabhängig davon, ob digital oder analog gelernt wird.

Auch Christof Chesini, der als Co-Projektleiter Inhalt das Englisch-Lehrmittel «Reach Out» mitentwickelt, weist auf die Vorteile von analogen Lernformen hin: Beim Markieren von Wörtern und Schreiben von Hand werden Sprache und Motorik verbunden. Auch die Orientierung könne im Analogen einfacher sein: Eine Buch- oder Heftseite, ein gedrucktes Arbeitsblatt lassen sich schneller erfassen als Inhalte auf digitalen Plattformen, wo man scrollen und via Links weiterspringen kann.
Ganz allgemein kann die scheinbare Unendlichkeit der digitalen Ressourcen auch eine Schwäche sein: Benachrichtigungen, Links, offene Tabs und Suchfunktionen sorgen dafür, dass die Ablenkung stets nur einen Klick entfernt ist.
Dass das Analoge insbesondere dort seine Stärken ausspielen kann, wo Lernen mit Bewegung, Sinnes- und Materialerfahrungen oder sozialer Interaktion verbunden ist, zeigt sich beispielhaft an Lernsituationen aus der Lehrmittelreihe «Logbuch». Es ist hybrid angelegt und kombiniert digitale und analoge Anteile.
Gerade auf den tieferen Stufen wird dem Analogen eine hohe Bedeutung beigemessen. So arbeitet «Logbuch 1–2» mit Bildern, die verschiedene Situationen zeigen und die Kinder zum Weiterdenken und Diskutieren anregen. Auch Rollenspiele werden als Lernform genutzt, zum Beispiel im Themenheft «Umwelt», wenn die Schülerinnen und Schüler Situationen auf einem Recyclinghof nachspielen.

Generell eignen sich Lernsituationen, die Beziehung und Kooperation erfordern, insbesondere für analoge Aktivitäten. Dazu zählen die genannten Rollenspiele, aber auch Diskussionen, Gruppenarbeiten und das Lernen im Klassenverband. Eine Erfahrung, die auch Claudia Müller, Seklehrerin aus Dietikon, macht: Sie sagt, dass sie ohne Computer besser auf die Stimmung der Jugendlichen eingehen kann und einen intensiveren Kontakt zu ihnen hat.

Weitere Paradebeispiele für analoge Lernformen sind kreative Arbeiten wie Zeichnen, Experimente und Modellbau sowie motorisch-praktische Arbeiten wie Handwerk, Musik und Kunst. Bei allen geht es um die Erfahrung mit verschiedenen Materialien, um Sinnesein- und ausdrücke und um Feinmotorik. Dies ist digital kaum erfahr- und erlebbar. Dasselbe gilt für Sport und Bewegung.

Gut erforscht sind die Vorteile des Schreibens von Hand. Es ist dem Tippen an der Tastatur in vielerlei Hinsicht überlegen, da es motorische und kognitive Hirnregionen aktiviert und verknüpft. Dadurch werden die Informationsverarbeitung und Gedächtnisbildung gefördert. Die motorischen Bewegungen unterstützen beispielweise das Einprägen neuer Wörter. Ob Notizen, Zusammenfassungen oder Mindmaps – das Schreiben von Hand ist multisensorisch und körperlich, was die Konzentration und das Verständnis fördert.

Auch beim Lesen zeigt das Gedruckte gemäss Studien Vorteile: Im Direktvergleich werden gedruckte Texte besser verstanden als am Bildschirm gelesene. Es lohnt sich also, Schülerinnen und Schülern Printtexte vorzulegen.

Zum Schluss richten wir den Blick auf das Lernen in und mit der Natur. Ob Bauernhofbesuch, Waldputzete oder das Herstellen von Pflanzgefässen – es gibt unzählige Lerngelegenheiten, bei denen die Natur eine Rolle spielt. Dabei werden die Sinne auf besondere Weise angesprochen, sodass sich Inhalte sehr gut einprägen. Studien zeigen, dass die Aufmerksamkeit besser ist und Schülerinnen und Schüler interessierter und motivierter lernen. Gleichzeitig spricht nichts dagegen, die Lerneinheiten mit digitalen Elementen anzureichern – etwa indem die Kinder im Internet nach einer Anleitung für Pflanzgefässe suchen.

Auch heute spielt das analoge Lernen im Unterricht also eine grosse Rolle. Doch es wird regelmässig durch digitale Elemente ergänzt – so entstehen hybride Lernsettings, welche die Stärken des Digitalen und Analogen gezielt kombinieren.
Das Fokusthema im Magazin «Einblick» widmet sich der Frage, wie sich die Stärken des analogen und digitalen Lernens verbinden lassen. Interviews, Reportagen und Einblicke in unsere Lehrmittel beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven.
Mit «Join In» (Zyklus 2) und «Reach Out» (Zyklus 3) entsteht eine neu konzipierte Lehrmittelreihe für das Fach Englisch. Das Lehrmittel ist hybrid konzipiert und wird aktuell erprobt – auch, um das Zusammenspiel von digitalen und analogen Anteilen optimal abzustimmen.